Rückweg im Kattegat: Vinga – Anholt – Grenå – Ebeltoft

Vor dem Ablegen von Vinga stand die große Routenfrage im Raum, welche nicht nur uns, sondern auch Skipper von Nachbarbooten herausforderte: Großer Belt, Kleiner Belt oder Øresund. Die Wetterprognosen waren bei allen Anbietern (FCOO, DWD, SMHI) schlecht. Für Kattegat, Belte und Sund standen Südwest bis 28 kn, Böen 35 kn, über Tage. Ein Trog schien sich festzusetzen. Von Vinga aus blieb zunächst nur Anholt – mit dem Risiko, dort einige Tage eingeweht zu liegen – kein schöner Gedanke. Für den 3. September zeichnete sich ein kleines Fenster über wenige Stunden ab: mit Motorhilfe hoch am Wind, möglichst weit nach Westen, nach Grenå. Entgegen kam uns, dass man den großen Windpark zwischen Anholt und Grenå durchfahren darf. In Dänemark gilt: sobald der Park fertig ist, ist die Durchfahrt frei – anders als in den deutschen Offshore-Parks, welche man grundsätzlich mit dem Nachteil längerer Routen umfahren muss.

1. September 2026: Vinga – Anholt
Abfahrt 08:47 Uhr, Ankunft 21:31 Uhr.
62,0 sm (46,4 sm unter Segeln, 15,6 sm unter Motor).

Route Vinga – Anholt, 01. September 2026 (grün: unter Segeln, blau: unter Motor oder mit Motorunterstützung)
Route Vinga – Anholt, 01. September 2026 (grün: unter Segeln, blau: unter Motor oder mit Motorunterstützung)

Vingas Naturhafen hat eine westliche und eine östliche Ausfahrt. Westlich ist es eng und felsig und zum Teil flach mit Steinen bei 1,60 m. Mit Hubkiel auf 1,30 m liefen wir westwärts aus Vinga und setzten direkten Kurs auf Anholt – zum Segeln fuhren wir den Kiel wieder auf 2,40 m. Das Anlegen in Anholt  war bei extremen Böen ein hartes Stück Arbeit. Wir wählten bewusst die Leeseite des Stegs, damit der Wind das Boot nicht die ganze Nacht gegen das Holz drückte. Trotzdem wurde es schwierig: am Steg fanden wir nur Ringe zum Durchstecken vor, die Mittelspring ließ sich daher nicht schnell und sicher legen. Erst mit der Hilfe anderer Lieger bekamen wir endlich eine Leinenverbindung von Mittelklampe zum Steg und kamen dann sicher mit nahezu voller Maschine heran. Eine Vorspring wäre hier aufgrund größerer Hebelwirkung die bessere Entscheidung gewesen. In Lee lagen wir trotz steifer Brise ruhig, während auf der Luvseite andere Yachten arg an den Steg gedrückt wurden und ihre Probleme beim Ablegen hatten.

Am 2. September blieb der Wind erwartungsgemäß steif. Wir blieben deshalb liegen und erwanderten die Insel.

3. September 2026: Anholt – Grenå
Abfahrt 08:38 Uhr, Ankunft 16:46 Uhr.
32,9 sm unter Motor.

Route Anholt – Grenå, 03. September 2026 (grün: unter Segeln, blau: unter Motor oder mit Motorunterstützung)
Route Anholt – Grenå, 03. September 2026 (grün: unter Segeln, blau: unter Motor oder mit Motorunterstützung)

Nahezu die ganze Etappe Regen. Wie schon eingangs erwähnt, konnten wir direkten Kurs auf Grenå absetzen. Die Durchquerung des Offshore-Windparks Anholt war hochinteressant und es erschließt sich uns nicht, warum aufgrund sehr großen Abstands der einzelnen Anlagen zueinander ein Durchfahren in Deutschland untersagt ist. Bei Ankunft in Grenå wieder ordentliche Böen: zuerst bunkern, dann gegen den Wind in die Box. Nach einer leckeren Linsensuppe vom Vortag fielen wir ins Bett.

4. September 2026: Grenå – Ebeltoft
Abfahrt 07:28 Uhr, Ankunft 16:34 Uhr.
37,7 sm (6,6 sm unter Segeln, 31,1 sm unter Motor).

Route Grenå – Ebeltoft, 04. September 2026 (grün: unter Segeln, blau: unter Motor oder mit Motorunterstützung)
Route Grenå – Ebeltoft, 04. September 2026 (grün: unter Segeln, blau: unter Motor oder mit Motorunterstützung)

Tagesziel war zunächst Aarhus, wobei unklar war, ob wir es gegen den angesagten Westwind erreichen können. Bei Hjelm kam der erwartete Kapeffekt; wir gingen ins zweite Reff bei Wind um 21 kn. Wegen einer akuten „Gale Warning“ von Lyngby Radio verlegten wir das Ziel dann auf Ebeltoft. Dort lagen wir sicher in dem uns aus den Vorjahren vertrauten Hafen. Abends genossen wir das hervorragende Essen im Restaurant Stockfleth.

Aarhus haben wir nicht mehr angelaufen. Stattdessen nahmen wir am 5. September den Bus dorthin und hatten einen wunderbaren Tag dort. 

Vinga - Blick zurück: "Das Erste und das Letzte, was man von Schweden sieht" (siehe vinga.nu)
Vinga – Blick zurück: „Das Erste und das Letzte, was man von Schweden sieht“ (siehe vinga.nu)
Anholt: imposantes Wetterbild bei Troglage
Anholt: imposantes Wetterbild bei Troglage
Anholt: abendliche Impression
Anholt: abendliche Impression
Windpark Anholt - Für Boote kein Hindernis, sondern passierbar
Windpark Anholt: in Dänemark kein Hindernis, sondern passierbar
Windpark Anholt: witziges Radarbild auf unserem B&G Halo 20+ mit Zeus3S
Windpark Anholt: witziges Radarbild auf unserem B&G Halo 20+ mit Zeus3S
Windpark Anholt: Versorgungsplattform
Windpark Anholt: Versorgungsplattform

Ebeltoft: Abendessen im Restaurant Stockfleth (unsere eindringliche Empfehlung!)